Weihnachten in England

christmas crackerBereits am 1. Dezember stellen britische Familien ihren (Plastik-)Weihnachtsbaum auf, der vielerorts recht bunt mit rhythmisch aufleuchtenden Lichterketten (fairy lights) geschmückt wird. Traditioneller wirken die Mistelzweige (mistletoes), die an den Türrahmen gehängt werden: Wer sich unter dem Mistelzweig trifft, darf sich – zumindest am Weihnachtstag – küssen. Daneben werden frische Weihnachtsgirlanden (garlands) und Kränze (wreaths) aus Tannengrün und Efeu geknüpft oder fertig gekauft, die den Kamin, das Treppengeländer oder die Haustür zieren. Einen Adventskranz (advent wreath) mit vier Kerzen stellen in der Vorweihnachtszeit meist nur sehr christliche Familien zu Hause auf. Der Adventskalender (advent calendar) für Kinder mit 24 oder auch 25 Türchen, weil Weihnachten am 25. Dezember gefeiert wird, ist jedoch inzwischen weit verbreitet. Nikolausfeiern am 5. oder 6. Dezember sind in Großbritannien weitestgehend unbekannt.

Derzeit in Mode sind in vielen britischen Städten deutsche oder österreichische Weihnachtsmärkte mit klassischen Buden und Weihnachtsspezialitäten, die teilweise von deutschen/österreichischen Schaustellbetrieben organisiert werden. Weihnachtlich-romantische Sinne wecken jedoch auch die traditionell gestalteten viktorianischen Weihnachtsmärkte, die meist in Kleinstädten mit historischer Kulisse aufgebaut werden. Daneben wird in vielen Städten das Anschalten der Weihnachtsbeleuchtung (christmas lights switch-on) gefeiert. In Dörfern, Kirchen und Schulen werden Advent fairs mit selbstgemachten Dingen veranstaltet und die Kinder besuchen den Weihnachtsmann in Santa’s Grotto und nennen ihre Weihnachtswünsche.

In der Vorweihnachtszeit haben außerdem Charity-Aktionen Hochsaison und überall finden Weihnachtspartys statt, bei denen es Glühwein (mulled wine) und mince pies gibt. Die lokalen Theater führen eine pantomime auf. Dabei handelt es sich um eine Art Märchen-Musical mit derbem Humor – aber dennoch für Jung und Alt gleichermaßen geeignet. In Schule und Kirche studieren die Kinder ein Krippen- oder Weihnachtsspiel ein und singen christmas carols. Weihnachtsfeiern im Büro weisen einen meist ungewohnten Party-Charakter auf. Beim Weihnachtsessen Ihrer Firma werden Sie und Ihre Kollegen rote und grüne Party-Hütchen auf dem Kopf tragen!

Die Weihnachtszeit endet am 5. Januar mit der sogenannten Twelfth night – bis 1752 wurde in Großbritannien Weihnachten noch nach dem Julianischen Kalender am 6. Januar gefeiert. In vielen Regionen Wales treibt am 6. Januar Mari Lwyd, eine weiß vermummte Gestalt, ihr Unwesen. Sie klingelt an Haustüren und stellt Rätselfragen.

Das Weihnachtsfest

Das Weihnachtsfest wird in britischen Familien mit dem christmas eve am 24. Dezember eingeläutet. Viele Familien besuchen an diesem Abend eine Messe mit Weihnachtsliedern (christmas carols) und Krippenspiel (nativity play) oder um Mitternacht eine Christmette (midnight mass). Bevor sie ins Bett gehen, lassen die Kinder kleine Früchtekuchen (mince pies) und ein Glas Brandy oder auch Süßigkeiten für Father Christmas sowie eine Karotte als Wegzehrung für seine Rentiere in der Küche stehen. In der Nacht zum 25. Dezember kommt Father Christmas durch den Kamin ins Haus und füllt die am Kamin aufgehängten Strümpfe (stockings) mit Geschenken.

Die ›Bescherung‹ findet am 25. Dezember morgens nach dem Aufstehen statt. Daher ist für viele Briten das wichtigste Weihnachts-Outfit ein mit Rentier- und Christbaummotiven bedruckter Pyjama. Am späten Mittag wird ein üppiges christmas dinner mit gefülltem Truthahn und einem christmas pudding (s.u.) verspeist. Auf dem Tisch liegen christmas cracker, die mit den deutschen Knallbonbons an Silvester vergleichbar sind. Um 15 h wird die Weihnachtsansprache der Queen im Fernsehen übertragen.

Der 26. Dezember wird als Boxing Day bezeichnet, vermutlich weil früher Dienstboten, Arbeiter und die Armen an diesem Tag Schachteln (christmas boxes) mit Geschenken und milden Gaben erhielten. Traditionell werden am Boxing day Freunde und Verwandte besucht – oder Geschenke umgetauscht, denn die Geschäfte haben an diesem zweiten Weihnachtstag wieder geöffnet.

Christmas pudding

Am Stir-up Sunday, dem Sonntag vor dem ersten Advent, trifft sich die Familie nach der Sonntagsmesse, um die Zubereitung des alljährlichen christmas pudding (flambierter Brandy-Früchtekuchen) zu beginnen. Jedes Familienmitglied darf den angesetzten Teig mit 13 Zutaten, die Jesus und seine Jünger repräsentieren, einmal kräftig umrühren (to stir) und sich dabei etwas wünschen. Der Name Stir-up Sunday bezieht sich allerdings nicht nur auf das Rühren, sondern auch auf den Text eines bekannten Gebetes. Gerührt wird von Ost nach West, in Anlehnung an die Wanderung der Heiligen Drei Könige. Heute kaufen viele Familien ihren christmas pudding jedoch fertig beim Bäcker oder im Supermarkt.

Weihnachtskarten

Von essentieller Bedeutung sind für Briten Gruß- und Glückwunschkarten. Diese werden bereits Anfang bis Mitte Dezember verschickt, da die erhaltenen Karten werden auf dem Kaminsims aufgestellt oder über dem Türrahmen an einer Schnur aufgereiht und stellen somit einen essentiellen Teil der Weihnachtsdekoration ausmachen. Daher ist es wichtig, Karten rechtzeitig abzuschicken! Jedes Jahr werden in Großbritannien rund eine Milliarde Weihnachtskarten verschickt!

(Auszug aus Alltag in Großbritannien – Leben und arbeiten in England, Schottland und Wales)

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2 Gedanken zu “Weihnachten in England

  1. Interessante Ansichten von Weihnachten, habe nur das Thema Fussball vermisst.
    Der Boxing Day ist für meine Frau und mich immer ein Merkwürdiges Datum.
    Die Verwandschaft versteht es nicht wieso zu Weihnachten noch Fussabll gespielt wird und wir nach einen Live Sender ausschau halten.

    Liebe grüsse
    Michael

    • Hallo Michael,

      vielen Dank für die Ergänzung. Stimmt, boxing day football wie auch Rugby und Pferderennen sollten unbedingt noch erwähnt werden. Nicht zu vergessen das kollektive Schwimmen im Ärmelkanal, falls man das auch als Sportereignis werten möchte…:-)

      Viele Grüße und happy new year!
      Katrin

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