Hürden der Zweisprachigkeit

Salat150„Jetzt haben wir den Salat“, sage ich zu meinem sechsjährigen Sohn, nachdem in Sachen Weihnachtsdekoration basteln gerade alles schiefgegangen ist.

„Ich mag aber keinen Salat“, antwortet mein Sohn, der aufgrund seiner Zweisprachigkeit mit manchen deutschen Redewendungen einfach noch nicht in Berührung gekommen ist.

„Nein, keine Sorge, du sollst keinen Salat essen. Das ist ein Ausdruck, den man benutzt, wenn mal etwas nicht geklappt hat.“

Mein Sohn findet diese Wortschatzerweiterung super und wendet sie fleißig an: „Ohje, ein Salat“, sagt er beispielsweise, als das Saftglas umfällt, und blickt mich mit der dazu passenden ernsten Mine an.

„Nein“, sage ich, „nur der ganze Satz macht Sinn: Jetzt haben wir den Salat.“

Am nächsten Tag in der Schule fragt mich seine Lehrerin, was es denn mit dem Salat auf sich habe: „There we go, a salad“, habe Sohnemann laut gerufen, als die Weihnachtsgirlande von der Decke gefallen sei.

„Ohje“, denke ich, „jetzt haben wir den Salat. Nun versucht er deutsche Redewendungen eins zu eins ins Englische zu übersetzen …“ Ich suche für ihn nach einem englischen Pendent, dict.cc sagt: „The fat is in the fire.“

Er will aber kein Fett im Feuer, er will was mit Salat sagen. Und das tut er dann auch. Ab heute heißt es bei uns: „Ohje, der Salat brennt!“ Und in der Schule: „The salad is in the fire.“ Damit können alle leben, vor allem seine Klassenkameraden finden das sehr lustig und sagen das nun ebenfalls. Ein neuer deutscher Einfluss auf die englische Sprache!

Katrin Koll Prakoonwit

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Linktipp: Übersicht zu deutschen und englischen Redewendungen

© iStock.com/Brookebecker

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